22.6.2021   <<    6. Mai 2022    >>   16.5.2022

Jahrgang 1924

Wie es Uropa gelang, der Einberufung zu entgehen und keine Sowjetmenschen zu erschießen.

Uropa Fritz gelang es, sich von allen Naziorganisationen fernzuhalten, nur bei Hitlerjugend und Reichsarbeitsdienst musste er mitmachen. Alle deutschen Jugendlichen waren durch das Gesetz für den Reichsarbeitsdienst zur Teilnahme verpflichtet. Das wurde für Fritz zum lebensbedrohlichen Problem.

Ab 1942 setzte man den Einberufungsjahrgang 1924 beim Ostfeldzug unmittelbar hinter der Front zum Bau militärischer Anlagen und beim Wege- und Brückenbau ein. Dabei kam es auch zu Feindberührungen mit Menschenverlusten. Im Oktober 1942, nach Ablauf der sechsmonatigen RAD-Dienstpflicht, wurden die in den besetzten Gebieten der Sowjetunion eingesetzten Mannschaftsgrade der RAD-Einheiten fast vollständig in Feldausbildungsregimenter des Heeres übernommen (dort erfolgte die üblicherweise in der Heimat durchgeführte Rekrutenausbildung im besetzten sowjetischen Gebiet; damit vermied man den Rücktransport der Rekruten nach Deutschland und konnte sie gleichzeitig gegen Partisanenverbände einsetzen). Die RAD-Führer dagegen kehrten zurück ins Reich. 1942 war der RAD seiner ursprünglichen Konzeption völlig entkleidet und als halbmilitärische Kampftruppe eingesetzt. Ab 1943 wurden keine RAD-Einheiten mehr, wie noch der RAD-Einberufungsjahrgang 1924, an der Ostfront eingesetzt.

https://de.wikipedia.org/wiki/Reichsarbeitsdienst#Einsatz
abgerufen am 6.5.2022

Zum Glück kannte Ururopa Willy die Pläne für die Arbeitsleute aus Fritz Jahrgang und organisierte die Rettung seines Sohns vor dem Heldentod. Wenige Tage vor dem Ende von Fritz Arbeitsdienst, den er gemeinsam mit anderen Schülern seines Gymnasiums ableistete, kam eine Freundin aus Berlin zu Besuch ins Arbeitsdienstlager und überbrachte Fritz insgeheim Medikamente und eine Botschaft seines Vaters. Nach ihrer Abreise nahm Fritz die Medikamente ein und wurde prompt schwer krank. Man fuhr ihn ins Krankenhaus der nächsten Stadt, wo er zwei Wochen lang von freundlichen Schwestern gesund gepflegt wurde.

Als Fritz in das Arbeitsdienstlager zurückkehrte, war es verwaist. Alle Arbeitsmänner waren eingezogen und an die Front geschickt worden. Nur ein Mitarbeiter der Lagerverwaltung erwartete Fritz, und übergab ihm die für seine Heimreise erforderlichen Papiere. In Berlin mußte sich Fritz einer Musterungskommission stellen, aber das ist eine andere Geschichte.

Uropas Rettungsaktion war von Anfang bis Ende illegal und wäre es heute noch. Wer sich und seine Arbeitskraft Armeen und Ausbeutern vorenthält, wird bis heute verfolgt und bestraft. Wir erleben das täglich als Hartz IV Sanktion.

Auch wer nur darüber informiert, wie man der Zwangsverpflichtung ein Schnippchen schlägt, wird bestraft. Der legendäre Leitfaden Wege zu Wissen und Wohlstand oder: Lieber krankfeiern als gesund schuften. von 1980 wurde in der Bundesrepublik Deutschland zensiert und verboten. Ihn zu verlinken wäre heute noch gefährlich, hätter er nicht den Status eines historischen Dokuments ohne praktischen Nutzen.

Fritz hatte Glück, dass sein Vater alle Tricks und Kniffe kannte, um ihn vor dem Heldentod zu bewahren. So ein Vater ist nur wenigen gegeben. Für die meisten jungen Deutschen rückt deshalb heute die Gefahr in greifbare Nähe, ihr Leben auf dem Altar der Machtpolitik opfern zu müssen.

Deutschland ist bereits tief in den militärischen Konflikt zwischen Russland und der Ukraine verstrickt, und es besteht die Gefahr, dass seine Machthaber alle Deutschen zum Kampf gegen Russland verpflichten.

Die Wehrpflicht bleibt in Kraft und ist nur ausgesetzt. Deshalb trennen uns 80 Jahre nach Uropas Rettung nur wenige Schritte von der Zwangsrekrutierung der Jahrgänge bis 2004.

Anmerkung: Fritz wird hier als Uropa bezeichnet, weil das sein Verwandschaftsverhältnis zu seinen jüngsten Nachfahren benennt.

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