6.5.2022   <<    16. Mai 2022    >>   26.6.2022

Wie Uropa Berlin gegen die Nazis verteidigte

Anfang Mai 1945 besucht Uropa Fritz einen Schulfreund in der Ahlbecker Straße am S-Bahn Ring. Er ist zwanzig Jahre alt und wird Zeuge, wie fanatische Volkssturmmänner einen Mann an der Laterne vor dem Haus erhängen. Dann geht Fritz nach Hause zurück. Es sind die letzten Kriegstage und kurze Zeit später überqueren die Rotarmisten den S-Bahn RIng an der Prenzlauer Allee.

Uropas Wohung liegt an der Kreuzung von Danziger Straße und Prenzlauer Allee in anderthalb Kilometer Luftlinie vom Flakbunker im heutigen Volkspark Friedrichshain.

Es war zwei Uhr nachmittags, aber vom blauen Frühlingshimmel war nichts zu bemerken. Aus einem Umkreis von hundert Kilometern gesehen, war Berlin ein hochaufwallendes Dschungel aus Rauch, aus glühendem Staub.

Ein gestürzter, verendender Meteor ... der Blocksberg, der Köterberg, der Huy, schweflige Walpurgisnacht, auch wenn es Tag war. Fünfhundert russische Granaten hatte der Flakturm Friedrichshain am Vortage gezählt und hatte seinerseits die Kanonade mit vierhundert Schuß beantwortet. Während der vergangenen vierundzwanzig Stunden hatte die Welt sich verändert. Der Ring um Berlin, wenn auch weit nach Westen ausgreifend, war fast geschlossen. Von den zwanzigtausend Geschützen, die die Russen über die Oder gezogen hatten, waren jetzt Tausende von Rohren auf den schmalen Schlauch zwischen dem Müggelsee und den Gewässern der Havel gerichtet und spien Feuer und Verderben auf das Häusermeer Berlin.

Die Luft war in einem einzigen Aufruhr. Schmelzendes Basaltgestein. Sturzbäche herabpolternder Ziegel, in die Höhe geschleudertes Straßenpflaster.

Theodor Plivier, Moskau, Stalingrad, Berlin

Einen Tag nach dem Mord in der Ahlbecker Straße versucht ein Volkssturmtrupp ein Maschinengewehrnest in Uropas Kinderzimmer im ersten Stock einzurichten. Die Möchtegern-Helden wollen die heranrückenden sowjetischen Soldaten aus dem schmalen Erkerfenster des Eckhaus unter Beschuß nehmen.

Die Hausbewohner wissen, daß dieses Scharmützel mit der Zerstörung des Haus durch eine Panzergranate ihr Ende finden wird. Deshalb verhindern Uropa und ein paar Nachbarn die Absicht der Nazis. Er schießt auf die Volkssturmmänner, die zu feige sind, sich gegen die bewaffneten Hausbewohner durchzusetzen. Sie treten sang und klanglos den Rückzug an.

Tage später ist der Krieg zu Ende. Die Rote Armee ist da. Das Haus steht bis heute.

em;